Eine Nuance nach der anderen. Wie man Herausforderungen meistert, ohne den Fokus zu verlieren.
Wer schon einmal ein Team, ein Unternehmen oder – noch viel komplexer – seine eigene Familie zu steuern versucht hat, weiß: Das Leben spart nicht mit Herausforderungen.
Kaum hast du eine Krise elegant gemeistert, kündigen sich zwei weitere an.
Ich selbst bin ja Meister im Annehmen von Herausforderungen.
Vor einiger Zeit sah meine persönliche Bilanz ganz herzeigbar aus: Ich hatte einen wunderbaren Mann und einen 3-jährigen Sohn, Haus, Garten, Hund und eine Führungsposition, die mir viel Freude bereitete.
Bereiteten.
Plural.
Also, nicht nur die Arbeit.
Alle Variablen standen auf Erfolg.
Hat mir das gereicht? Hm… Naja, ich habe mein Doktorat begonnen.
Kurze Zeit später war ich bei meiner Gynäkologin. Das Gespräch, während dem sie ordentlich kaltes Gel auf meinem Bauch geklatscht hat, kulmierte in den Worten: „Mei, ich sehe auf dem Monitor zwei kleine, kräftige, schlagende Herzen!“
Was soll ich sagen... Die Zwillinge werden heuer 16 Jahre alt.
Das sind die freudvollen Herausforderungen des Lebens, die selbst gewählten. Zu denen du stehst und sagst: „Gut. Gehen wir’s an. Ziel: anvisiert. Und dann ein Schritt nach dem anderen.“
Und dann gibt es die anderen… Diese Herausforderungen, die mit einer Wucht aus dem Nichts auf dich zurollen, das Maul aufreißen und die Zähne fletschen. Die nicht nur all deine Pläne mit einem Schlag über den Haufen werfen, sondern die auch dein Fundament erschüttern.
Selbst wenn du im Laufe eines Lebens Führungsqualitäten entwickelt hast und dich die üblichen geschäftlichen und privaten Themen nicht mehr aus der Ruhe bringen: Wenn sich Risse im Fundament bilden, gibt es diesen Punkt, an dem du erstarrst. Oder weglaufen oder verdrängen willst. Oder dich fragst: „Warum ich? Warum wir?“
Ich bin erstarrt, habe gezittert, bin mental weggelaufen.
Hilft nichts. Mehrfach ausprobiert. Mit und ohne Prosecco.
Was mir in diesen Momenten, die gerade jetzt wieder so präsent sind, hilft, ist derselbe Modus Operandi, den ich bei den selbst gewählten Meilensteinen anwende: Situation analysieren, Ziel festlegen, Strategie überlegen, Maßnahmen setzen. Und dann einen Schritt nach dem anderen gehen. Konsequent.
Genau das zeige ich in meinen Bildern: Eine Nuance nach der anderen. Kontinuierlich verändernde, ansteigende Farbtöne. Ein zartes, warmes Himmelblau als Beginn, und dann mische ich konsequent weiter, Pigment für Pigment, bis die Farbnuancen kräftiger, dunkler werden und beim unerschrockenen, stoischen Ozeanblau ankommen.
Denn am Ende entsteht weder eine krisenfeste Struktur noch ein harmonisches Meisterwerk durch Zufall. Sondern durch Erfahrung und den Mut, die nächste Nuance zu mischen.
Aber da ist noch etwas: Denn so wichtig ein Schritt nach dem anderen auch ist. Alleine kommt man irgendwann an seine Grenzen. Über das zweite entscheidende Element beim Meistern von besonderen Herausforderungen – und in meinen Bildern – erzähle ich das nächste Mal: den Dialog.

